Weicher Cyberversicherungsmarkt: Was das für dein Unternehmen bedeutet

Weicher Cyberversicherungsmarkt: Was das für dein Unternehmen bedeutet

Der deutsche Cyberversicherungsmarkt gilt 2026 offiziell als weicher Markt: Prämien sinken, Bedingungen werden großzügiger, und Versicherer konkurrieren zunehmend um Kunden.

Nur rund fünf Prozent der deutschen Unternehmen sind gegen die Folgen eines Cyberangriffs versichert, meldet der GDV mit aktuellem Stand für 2026. Gleichzeitig wächst der Markt: 2025 stieg die Zahl der abgeschlossenen Cyberversicherungsverträge um 15,7 Prozent auf rund 157.000. Zwei Zahlen, die nicht recht zusammenpassen wollen und die zeigen, wie viel Bewegung gerade in einem plötzlich weichen Cyberversicherungsmarkt steckt, der jahrelang als kompliziert und schwer zugänglich galt.

Der weiche Markt öffnet sich schneller, als viele Unternehmen mitbekommen

Zu viele Versicherer, Fintechs und zunehmend auch internationale Anbieter drängen aktuell gleichzeitig auf den deutschen Markt. Die Folge: Bedingungen, die vor wenigen Jahren schlicht nicht verhandelbar waren, sind es plötzlich. Fragebögen werden kürzer, Vertragslaufzeiten von zwei Jahren sind keine Ausnahme mehr, und selbst Klauseln, die Schäden über die Lieferkette abdecken – also den Fall, dass ein Zulieferer oder Abnehmer gehackt wird und der eigene Betrieb dadurch ausfällt – finden sich mittlerweile in Bedingungswerken, die vor Kurzem noch als Nischenprodukt galten.

Für Unternehmen heißt das: Wer seine Cyberversicherung seit Jahren nicht angefasst hat, sitzt wahrscheinlich auf einer Police, die dem heutigen Markt nicht mehr entspricht. Nicht, weil sie zu teuer wäre, sondern weil sie schlicht weniger kann, als aktuell möglich wäre.

Nicht alles im Regal ist verhandelbar

So offen der Markt aktuell auch ist, an einer Stelle bleibt er konsequent, und das ist gut so. Multi-Faktor-Authentifizierung für Admin-Zugänge und Remote-Zugriffe gehört dazu. Kein Versicherer rückt davon ab, egal wie sehr er um Neugeschäft konkurriert. Ein Basisschutz, der sich auszahlt.

Fehlende MFA bei Admins oder Remote-Zugriffen bleibt ein No-Go. Selbst Versicherer, die dringend neue Policen abschließen wollen, lehnen dann lieber ab, als davon abzuweichen.
Philipp Skucha, CEO securance GmbH

Der zweite unverhandelbare Punkt liegt nicht beim Versicherer, sondern beim Unternehmen selbst: der Risikofragebogen. Deutsche Gerichte haben in den vergangenen Jahren mehrfach bestätigt, dass ungenaue oder unklare Antworten im Fragebogen den Versicherungsschutz nachträglich kippen können, unter anderem das Landgericht Tübingen und das Landgericht Kiel haben genau darüber entschieden. Ein zu lax ausgefüllter Fragebogen bleibt damit der häufigste Grund, warum eine Cyberversicherung im Ernstfall doch nicht zahlt, egal wie weich der Markt drumherum geworden ist.

Die Schäden werden kleiner – aber nicht, weil weniger passiert

Ein Grund für die aktuelle Marktbewegung wird oft übersehen: Unternehmen sind besser vorbereitet als noch vor wenigen Jahren. Die HDI KMU-Cyberstudie 2026 zeigt das deutlich: Lag die durchschnittliche Schadenhöhe bei Cyberangriffen auf kleine und mittlere Unternehmen seit 2022 konstant bei mindestens 68.000 Euro, sind es aktuell nur noch rund 25.000 Euro. Unternehmen mit umgesetzten Präventionsmaßnahmen kommen sogar mit einer im Schnitt 33 Prozent niedrigeren Schadenhöhe davon. Nicht weniger Angriffe also, sondern schnellere Reaktion und bessere Vorbereitung. Das ist der Unterschied.

Für Versicherer ist das ein Grund mehr, Bedingungen zu lockern: Ein Portfolio mit besser vorbereiteten Kunden ist für sie schlicht kalkulierbarer.

Was das für die eigene Police bedeutet

Der aktuelle Markt belohnt Unternehmen, die zwei Dinge gleichzeitig tun:

  1. ihre Sicherheitslage ehrlich einschätzen und

  2. ihre bestehende Cyberversicherung aktiv hinterfragen, statt sie liegen zu lassen.

Beides hängt zusammen. Wer seine Risiken kennt, verhandelt automatisch aus einer stärkeren Position. Genau darum geht´s in der aktuellen Folge von Cybersecurity Basement:

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Annika Gamerad

Event & Marketing Specialist

Veröffentlicht am 24.09.2026